„3 Prozent Recyclingquote sind keine technische Restriktion“

Wuppertal, 17.10.2018 – Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten auf Einladung der VDI-Bezirksvereine Bergisches Land und Köln die Zukunft der zirkulären Wertschöpfung. Im Knipex-Werk C. Gustav Putsch KG, dem Weltmarktführer im Bereich Zangen, stand die Produktlebensdauer und die Rückgewinnung von knappen Rohstoffen bei global verflochtenen Handelsströmen im Vordergrund. Die Ergebnisse der Impulsgespräche vor Ort werden zum Abschluss der Reihe am 22. November einem erweiterten Kreis unter Beteiligung von Politik und Gesellschaft vorgestellt.

Teilnehmer des Impulsgesprächs vor Ort kamen aus Unternehmen, Instituten und Forschungseinrichtungen. Dr.-Ing. Bernd Riepe und Barbara Meimeth stellten das Unternehmen Knipex vor und schilderten dessen Aktivitäten zum Thema Nachhaltigkeit. So sei Nachhaltigkeit direkt bei der Geschäftsführung angesiedelt und mit konkreten Zielen verbunden: Bis 2020 will der Hersteller 20 % Energie und 15 % Abfall bei der Produktion einsparen.

Zwei Impulsreferate gingen dem Fachaustausch voran: Prof. Christa Liedtke vom Wuppertal Institut betonte, dass Metall mittelfristig weltweit die Ressourcenknappheit bestimme, weil es im Unterschied zu Kunststoff tatsächlich endlich und eine 100-prozentige Wiederverwertung technisch nicht möglich sei. Vermeidung und Wiederverwendung hätten Priorität vor dem Recycling, das gleichwohl nur zu 3 % stattfinde. „Vieles, was produziert wird, wird nicht genutzt“, betonte sie; die größte Schwierigkeit bei der Herstellung sei die Vermeidung von Dissipation, also dem Verlust kleiner Anteile in der Verarbeitung, die anschließend, untrennbar verbunden mit anderen Materialien, entsorgt werden müssten.

Lösungen liegen vorne im Zyklus

Prof. Dr. Sebastian Weber von der Bergischen Universität Wuppertal kritisierte den industriellen Lösungsansatz vom Ergebnis her. Material müsse gegenüber den Faktoren Zeit und Geld viel deutlicher in der Ressourcenaufstellung berücksichtigt werden. „Die Lösungen liegen am Anfang des Zyklus“, so Weber, „aber der Datenmangel behindert noch eine durchgehende Analyse. Wir müssen uns fragen, was wir wirklich brauchen und danach, ob wir kritische Materialien ersetzen können. Erst dann stellt sich die Frage nach Recycling.“ Den Einsatz wertvoller Rohstoffe zu reinen Statuszwecken veranschaulichte er am Beispiel von Zierleisten aus Aluminium an Autos.

Heiko Hansen vom Bergischen Bezirksverein des VDI verdeutlichte, dass zirkuläre Wertschöpfung Ingenieursaufgabe sei. „Hier im Bergischen Land haben wir eine lange Tradition der Metallverarbeitung“, so Hansen, „dass Knipex hier eine Vorreiterrolle einnimmt, beflügelt unsere Diskussion um gangbare Wege.“ Horst Behr vom VDI-Bezirksverein Köln sah den VDI als lösungsorientierten Partner der Industrie beim Erhalt der Lebensgrundlagen. „Lockere und freie Formate wie die Impulsgespräche bringen praxistaugliche Erkenntnisse. Ich freue mich schon auf den Stresstest!“

Das Thema ist ein gesellschaftliches

Klaus Meyer, Landesvorsitzender des VDI-NRW, stellte den weiteren Weg vor: Auf der Abschlussveranstaltung werde das Gesprächsformat um Vertreter aus Politik, Medien und Öffentlichkeit erweitert. Dort wird auch der Schauspieler und Buchautor Hannes Jaenicke, der sich als Kämpfer gegen Plastikmüll einen Namen gemacht hat, sprechen. „Das Thema ist nicht nur ein technisches, sondern ein gesellschaftliches“, so Meyer, „und Lösungen sind nur praktikabel, wenn sie von allen kommen, die es angeht. Wir wollen gezielt in die Öffentlichkeit wirken, Akzeptanz schaffen und Mitstreiter finden.“

Als Lösungsansätze wurden unter anderem eine verbindliche Kennzeichnung von Materialien und ihrer Zusammensetzung näher erörtert, außerdem eine technische Richtlinie zur zirkulären Wertschöpfung und die Erprobung verschiedener Möglichkeiten der Rückführung und Wiederverwendung ausgedienter Produkte. Während das Modell „lebenslange Garantie“ in Deutschland keine Akzeptanz genieße, sei die Rückgewinnung von Rohstoffen –auch im Pfand- oder Leasing-Verfahren –bereits erprobt. Auch die Recycling-Quote sei deutlich steigerungsfähig: „Drei Prozent sind keine technische Restriktion“, so Meyer, „genauso wenig, wie vor 30 Jahren der Anteil erneuerbarer Energien technisch auf drei Prozent limitiert war. Wenn Techniker motiviert sind über Grenzen hinauszugehen, dann gelingt das in der Regel auch.“

Die Impulsgespräche werden zu technischen und gesellschaftlichen Themen seit zwei Jahren vom VDI-Landesverband NRW durchgeführt. 2018 liegt ein Schwerpunkt auf dem Thema Zirkuläre Wertschöpfung. Die Abschlussveranstaltung hierzu findet am 22.11.2018 bei :metabolon in Lindlar (Bezirk Köln) statt.

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