Der Vorstand des VDI-Bezirks Köln. Folge 4: M. Sc. (TU) Dipl.-Ing. (FH) Horst Behr

„Ingenieure stärken und Menschen für Technik begeistern“

Im November ist Horst Behr als Vorsitzender des VDI-Bezirksvereins mit zwei wichtigen Zielen angetreten: Menschen für Technik zu begeistern und das Miteinander zu stärken, sowohl zwischen Ingenieuren als auch im Dialog mit der Öffentlichkeit. Denn die Herausforderungen, vor denen wir derzeit stehen, lassen sich nur zusammen lösen, so Behrs tiefe Überzeugung. Diese Lösungen möchte er in Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Medien tragen – und konkrete Ergebnisse erzielen.

Ingenieur zu sein war schon sein frühester Kindheitstraum. Er kam aus bescheidenen, ländlichen Verhältnissen, in denen Berufe meist per Geburt vorgezeichnet waren – in seinem Fall der Beruf des Klempners und Spenglers. „Ich war schon im Vorschulalter mit meinem Vater auf der Baustelle und hatte sogar meine eigene kleine Schubkarre“, erzählt er, „als Kind bin ich oft Regale hochgeklettert und habe Muffen, Bögen und Doppelnippel einsortiert.“ Später half er frühmorgens bei Bäckereien und Metzgereien aus. Immer interessierte ihn, wie etwas funktionierte und zustande kam, ob es nun Streusel, Würste oder Installationen waren.

Der Gesellschaft etwas zurückgeben

Kein Wunder, dass ihm die Schule eher langweilig vorkam. Das Gymnasium war ohnehin weit weg, die Handwerkerlaufbahn vorgezeichnet. „Mich hat erst in der 7. Klasse ein aufmerksamer Lehrer überzeugt, die Mittlere Reife zu machen“, so Behr. „Da wurde dann mein Ingenieurstraum wieder greifbar. Ich besuchte die Fachoberschule Technik und schrieb mich an der FH für Technische Gebäudeausrüstung ein.“ Gleich nach dem Studium trat er in den VDI ein, weil für ihn die Vorteile auf der Hand lagen: Kollegen aus anderen Fachrichtungen kennenzulernen, sich fachlich austauschen und Netzwerke aufzubauen.

Lange war er als Mitglied inaktiv und konzentrierte sich auf seine Karriere, wo er schon bald als jüngster Abteilungsleiter eines Anlagenbauers Großprojekte betreute: Flughäfen, Stadien, Hotels, Krankenhäuser. Berufsbegleitend schloss er an der TU München zum Clima Designer ab. Später machte er sich selbständig und gründete sein eigenes Ingenieurbüro. „Als ich bei meiner Ehrung zum 25-jährigen Jubiläum den Vorsitzenden sah, traute ich meinen Augen nicht“, lacht er, „Karl-Heinz Spix hatte ich Jahre zuvor mal als Mitarbeiter eingestellt!“ Weil der damalige Vorstand keinen Schatzmeister hatte, bot er spontan seine Hilfe an und übernahm den Job. „Ich dachte, ich gebe endlich auch einmal etwas zurück, nachdem ich von der Gesellschaft so viel bekommen hatte.“

Breitere Organisation und moderneres Image

Die Doppelbelastung scheute er nicht: „Als Ingenieur denke ich strukturiert – und ich habe außerdem ein Talent zu organisieren“, bekennt Behr, der früh im Leben Verantwortung übernommen hatte, etwa als Schulsprecher. 2013 übernahm er den vakanten Schatzmeisterposten, im vorigen Jahr den kommissarischen Vorsitz, bevor er ordentlich zum Vorsitzenden gewählt wurde.

Er hat sich vorgenommen, die Organisation breiter aufzustellen und das Ingenieurswesen in der Region zu stärken: „Jeder Verein lebt vom Mitmachen – deshalb haben wir die Facharbeit dieses Jahr neu belebt. Im Vorstand arbeiten wir daran, das Image des VDI frischer, moderner und zukunftsorientierter zu machen, denn wir möchten noch viel mehr Menschen für uns und für Technik allgemein begeistern.“ In der Köln-Bonner Region sei viel Potenzial und der VDI habe einen guten Ruf. „Das müssen wir nutzen!“, so Behr. „Wir brauchen Plattformen, wo die Herausforderungen angegangen werden, wo Konzepte mit konkreten Ergebnissen entstehen. Das geht nur zusammen – und unsere Fachgesellschaften sind die Ideengeber für den Dialog. Wir möchten erreichen, dass die Hochschulen besser eingebunden werden, zum Beispiel über Verbindungsprofessoren. Aber auch Unternehmen, Medien, Politik und die gesamte interessierte Öffentlichkeit sind wichtige Ansprechpartner. Die Akzeptanz für technische Ansätze und Lösungen müssen wir immer neu schaffen.“

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