Geballtes Expertenwissen – VDI-Ingenieure im Deutschen Museum Bonn geehrt

Über 300 Ingenieure und vier Unternehmen sind vom VDI Bezirksverein Köln für ihre langjährigen Mitgliedschaften geehrt worden. Bei der Feierstunde im Deutschen Museum Bonn gewährten über 50 Geehrte kurze Einblicke in lange Technikerlaufbahnen – und viele von denen, die heute im Ruhestand sind, engagieren sich noch heute, etwa in Ausschüssen oder für die Nacht der Technik. Andere haben Patente angemeldet oder sich neu zum Studium eingeschrieben. Die geehrten Unternehmen sind LyondellBasell, August Kleine sowie die BPW Bergische Achsen aus Wiehl und die GE Inspection Technologies aus Hürth, die für 60 bzw. 50 Jahre Mitgliedschaft ihre Urkunden entgegennahmen.

 

„Hier ist geballtes Expertenwissen versammelt“, begrüßte Vorsitzender Horst Behr die Jubilare, „wenn man sich vor Augen führt, welche Entwicklungen Sie begleitet haben, kann man nachdenklich werden. Mancher macht sich angesichts der derzeitigen Entwicklungen Sorgen – aber wir können beruhigt sein: Wer Zukunftsideen sinnvoll umsetzen will, wird immer von Ingenieuren begleitet werden.“ Laudator Frank Henning ergänzte: „Aus den Gesprächen mit den Jubilaren habe ich erfahren, wie viele auch im Ruhestand noch Netzwerke pflegen und sich engagieren. Das Dabeibleiben ist vielen wichtig und das macht uns stolz!“

Insgesamt nahmen 17 Mitglieder für 25 Jahre, 14 für 40 Jahre, 16 für 50 Jahre und 4 für 60 Jahre Mitgliedschaft ihre Urkunden entgegen. Viele Jubilare berichteten von ihrem beruflichen Weg. Auch unter den 25-jährigen Jubilaren kannten noch viele die alten Lochkartensysteme. Edwin Hadré, langjähriges Mitglied in Richtlinienausschüssen und Träger der Verdienstmedaille des VDI, betonte die Gemeinwohlverpflichtung des Ingenieurwesens und rief dazu auf, Richtlinien für den ganzen Lebenszyklus von Gebäuden anzupassen. Dr. Günther Welsch arbeitet im Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik und unterstrich die Sicherheit und Beständigkeit, die das Ingenieurswesen in die IT-Welt bringen könne.

Drei Patente im Ruhestand angemeldet

Die 40-jährigen Jubilare, meist schon im Ruhestand, sind heute oft noch aktiv, etwa Raimund Brunberg, der bei Bayer Anlagen betreute und heute an der Nacht der Technik Rhein-Wupper mitwirkt. Dr. Ulrich Knipp stellte sich als geistiger Vater des Kunststoffs Vulcolan vor, der in Hydraulikdichtungen, Lenkungen und Schneeschiebern steckt. Harald Schutte arbeitet heute auf Veranstaltungen im World Congress Center Bonn und sorgt für reibungslose technische Abläufe. Außerdem meldete er innerhalb von vier Jahren drei Patente im Bereich Vorsorgender Brandschutz an und sucht Venture-Kapitalgeber.

Auch die 50- und 60-jährigen Jubilare sind teils noch aktiv: Eberhard Witte studiert in Köln Philosophie und ist nach wie vor überzeugt, dass Ingenieure den Drive haben, die Welt zu verändern. Harald Kliem, ehemals selbständiger Berater für Heizungs-, Sanitär- und Raumluftanlagen, ist immer noch an Gerichten als Sachverständiger gefragt. Wilfried Der hatte seine Laufbahn der Verkehrssignaltechnik gewidmet und weltweit grüne Wellen realisiert – unter anderem in Kigali, der Hauptstadt Ruandas. Er appellierte angesichts des Leids, das er in manchen Ländern gesehen hatte, daran, nie das menschliche Maß zu vergessen.

 

Auch Unternehmen wurden für ihre Mitgliedschaft geehrt. V. l. n. r.: Horst Behr, Vorsitzender des VDI Bezirksvereins Köln; Dr. Markus Kliffken, Geschäftsführer BPW Bergische Achsen; Dionys van de Ven, Executive Engineering & Control bei GE Inspection Tech

Mitgliedsunternehmen setzen auf Ingenieursgeist bei Zukunftsthemen

Für GE Inspection Technologies beschrieb Dionys van de Ven den Weg, wie sich aus mehreren mittelständischen Herstellern ein Weltmarktführer entwickelt hat: Das Unternehmen, das auf die so genannte zerstörungsfreie Prüfung in der Industrie spezialisiert ist, nutzt heute noch unter anderem deutsche Ingenieurskunst der Marken Krautkrämer, phoenix|x-ray und Seifert. „Wir haben uns auch aufgrund der herausragenden Ingenieurskompetenz so erfolgreich entwickelt, die Herz und Seele unserer Firma ausmachen“, so van de Ven. Neben Röntgen- und CT-Technologien, Ultraschall-Prüfung sowie Sensorik und Endoskopie befasst sich das Unternehmen zunehmend mit Big Data, etwa für die automatisierte Fehlererkennung. Renommierte Marken aus den Bereichen Automobil, Flugzeugbau und Electronics zählen zu den wichtigsten Kunden von GE Inspection Technologies.

Dr. Markus Kliffken schilderte die lange Verbundenheit der BPW Bergische Achsen mit dem VDI als beispielhaft und zeichnete den Weg eines reinen Nutzfahrzeugzulieferers zum System- und Mobilitätsanbieter. „Derzeit meistern wir den Übergang zur Digitalisierung und Elektronifizierung“, so Kliffken, „setzen Künstliche Intelligenz bei der Fehlerentdeckung ein und wandeln uns zu einem Unternehmen, das ganze Lebenszyklen abbildet.“ Dabei sei der Weg entscheidend, nicht die einmalige Rendite. „Als Familienunternehmen mit mehr als 120 Jahren erfolgreicher Historie denken und handeln wir nachhaltig. Deshalb engagieren wir uns auch langfristig – im VDI seit 60 Jahren.“

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