Horst Behr und Prof. Michaela Lambertz

Gebäudetechnik erlebt auch im Rheinland einen Boom

VDI-Bezirksverein Köln baut Aktivitäten im Fachnetzwerk aus

Der VDI-Bezirksverein Köln stellt sein Fachnetzwerk „Bauen und Gebäudetechnik“ auf breitere Füße. Zu dessen Sprecherin wurde Prof. Dr. Michaela Lambertz vom Institut für Technische Gebäudeausrüstung an der TH Köln berufen. Auf der VDI-Jahrestagung Bauen und Gebäudetechnik in Bonn äußerten sich die Vertreter des größten deutschen Ingenieursverbandes optimistisch angesichts des derzeitigen Einstellungs-Booms, benannten aber auch Herausforderungen für die nächsten Jahre. Der anschließende Recruiting-Tag verbreitete Aufbruchstimmung unter Absolventen.

 

Im Mittelpunkt der Jahrestagung standen die Vorträge der Nachwuchsingenieure. Diese beschäftigten sich in ihren Abschlussarbeiten unter anderem mit dem Bau eines Reinraums, mit Umwelteinflüssen der wärmetechnischen Anlage eines Einfamilienhauses oder der Entwicklung einer Gebäudeökobilanz-Software (diese Arbeit sicherte Sebastian Theißen von der TH Köln den 2. Platz bei der Vergabe des diesjährigen Albert-Tichelmann-Preises).

Dipl.-Ing. (FH) Thomas Terhorst, Geschäftsführer der VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik, freute sich über die derzeit komfortable Auftragslage der Unternehmen. „Zum anderen gibt es Wohnungsmangel, Mobilitätskonzepte verändern sich und Rahmenbedingungen für die Arbeitsstätten unterliegen einem Wandel, auch durch die Digitalisierung“, schilderte er die zentralen Herausforderungen. Terhorst forderte dazu auf, in die Ressourcenbetrachtung von Gebäuden auch die Wiederverwertbarkeit der Materialien einzubeziehen und den Energieverbrauch durch qualifizierte Energieberatung zu senken: „40% der Energie in Deutschland wird in Gebäuden verbraucht“, so Terhorst.

Gebäudetechnik ist derzeit die Ingenieursbranche mit dem größten relativen Fachkräftemangel: Auf 100 suchende Ingenieure kommen 573 offene Stellen – entsprechend dynamisch ging es auf dem Recruiting-Tag zu. Zum Bauboom aufgrund niedriger Zinsen und guter Konjunktur gesellt sich ein Sanierungsstau im öffentlichen Dienst. Terhorst sprach sich gegen die Senkung von Baustandards aufgrund hoher Wohnungsnot aus: „Bei unserem geringen Neubauvolumen wäre es fatal, Gebäude zu errichten, die dann 100 Jahre genutzt werden und die nicht dem Stand der Technik zum Errichtungszeitpunkt entsprechen.“ Stattdessen machte er sich für Kosteneinsparungen durch verstärkte Standardisierung stark.

Der Kölner Bezirksverein des VDI, in dessen Region die Jahrestagung stattfand, stellt sich im Bereich Bauen und Gebäudetechnik breiter auf. Vor allem soll die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den Ingenieuren aus Architektur, Bautechnik, Technische Gebäudeausrüstung und Facility-Management forciert werden. Gebäude sollen durch einen gemeinsamen, ganzheitlichen Planungsansatz effizienter und nachhaltiger werden; in Bezug auf Lebenszykluskosten wie auch auf die zirkuläre Wertschöpfung.

Neue Sprecherin des Fachnetzwerks ist Prof. Dr. Michaela Lambertz vom Institut für Technische Gebäudeausrüstung an der TH Köln. „Wir suchen bewusst den Schulterschluss mit forschenden Unternehmen und Institutionen“, so Lambertz. „Wir wollen unseren Ingenieurinnen und Ingenieuren mit konkreten Fragestellungen aus der Wirtschaft Impulse geben. Dabei ist uns wichtig, gerade auch den Nachwuchs und die Studierenden intensiv einzubeziehen. Angesichts der herausragenden Rolle für das Klima werden sich in den nächsten Jahren sehr viele Innovationen in der Gebäudetechnik ereignen. Außerdem benötigen wir dringend die Rückführung wertvoller Ressourcen aus Gebäuden zurück in den Materialkreislauf.“

Bezirksvorsitzender Horst Behr freut sich über das große Interesse an der Fachrichtung. „Wer heute absolviert, dem steht eine interessante Laufbahn bevor – sowohl fachlich als auch finanziell. Wir brauchen noch viel mehr Ingenieure, die bereit sind, an der Erhaltung unserer Lebensgrundlagen mitzuarbeiten. Die Kunst ist nämlich, zugleich die Lebensqualität zu erhalten.“ Insbesondere wünsche er sich mehr Absolventinnen. „Frauen sind im Ingenieursberuf viel zu wenig vertreten“, so Behr, „wir arbeiten ja als Teil der Gesellschaft für die Gesellschaft.“

 

Die VDI-GBG ist eine von 12 VDI-Fachgesellschaften und bündelt etwa 17.000 der 150.000 VDI-Mitglieder aus den Bereichen Architektur, Bautechnik, TGA und Facility-Management.

Zurück