Nacht der Technik Köln: Großes Interesse beim Nachwuchs

Die 7. Nacht der Technik Köln begeisterte bei schönstem Sommerwetter wieder an die 5.000 Besucher, davon außergewöhnlich viele Familien, Schüler und Studenten. Wichtige thematische Schwerpunkte lagen im Bereich Industrie, Gesundheit und Verkehr, viele reservierungspflichtige Stationen waren bereits Wochen im Voraus ausgebucht. Insgesamt öffneten 52 Betriebe in Köln und Bergisch Gladbach ihre Pforten, führten durch die Produktion und stellten ihre Forschung vor.

 

Über 30 Grad im Schatten: Normalerweise zieht es Familien bei solchen Temperaturen eher ins Freibad als in die Werkshallen und Labors. Trotzdem waren nahezu alle Stationen restlos ausgebucht; dort, wo es freien Zugang gab, drängten sich die Besucher förmlich um die Stände und Info-Punkte. Bis weit nach 23 Uhr liefen die Führungen – eine gute Gelegenheit für den Nachwuchs, sich über Technik und technische Berufe zu informieren.

 

Eröffnung mitten im Containerterminal

Zur Eröffnung kamen viele Vertreter aus Politik und Wirtschaft, die ebenso wie Prof. Dr.-Ing. Friedhelm Schlösser, der neue Vorsitzende des VDI in Nordrhein-Westfalen, viele lobende Worte für das Format fanden. Im Veranstaltungszelt im Niehler Hafen begrüßte Projektleiter Hans-Arnold Büscher unter anderem die städtischen Vertreter aus Köln und Bergisch Gladbach. 2019 lag ein besonderer Schwerpunkt auf der Medizintechnik: „Die Digitalisierung revolutioniert derzeit das Gesundheitswesen“, so Büscher, „vernetzte Röntgengeräte, bildgebende Verfahren und automatisierte Operationstechnik sind die spektakulärsten Entwicklungen, aber auch die Hörgerätetechnik erfährt derzeit große Veränderungen.“ Auch die traditionelle Technik behaupte sich mit neuen Entwicklungen: „So entwickelt etwa die Firma Deutz Dieselmotoren immer ressourcensparender, was für die Landwirtschaft von großer Bedeutung ist.“ Köln habe auch Hidden Leaders vorzuweisen: „Leybold stellt am Standort Köln noch immer Vakuumpumpen her, die viele moderne Anwendungen erst möglich machen.“ Stolz zeigte sich Büscher auch darüber, dass die großen technischen Hochschulen in Köln dabei seien.

Elfi Scho-Antwerpes, Kölner Bürgermeisterin, betonte die Wichtigkeit der Nacht der Technik als berufliche Inspirationsquelle gerade für weibliche Besucher: „Wir müssen bereits in den Kitas anfangen, technische Themen vorzustellen. Wir erreichen immer noch nicht genug Mädchen, dabei wissen wir längst, dass sie technische Themen genauso beherrschen können wie Jungen. Wir brauchen Technik überall und sollten sie nicht vorschnell verteufeln – auch nicht die viel diskutierte Robotik in der Pflege.“ Sie lobte den Standort der Eröffnung: „Im Niehler Hafen sind wir mittendrin im Geschehen. Hier merkt man, dass Technik immer in Bewegung ist.“

 

Nachwuchsingenieure werden händeringend gesucht

Josef Willnecker, stellvertretender Bürgermeister von Bergisch Gladbach, zeigte sich erfreut über die Teilnahme von vielen bergischen Unternehmen. „Die Nacht der Technik ist eine Chance für Technikbegeisterte und alle anderen Menschen“, sagte er und hob das Engagement der teilnehmenden Unternehmen hervor. „Sie präsentieren sich selbst, aber auch unsere Stadt.“

Horst Behr, Vorsitzender des Kölner VDI Bezirksvereins, lobte das Organisationsteam, von denen er besonders Dr. Dieter Kurpiun und Hubert Moritz, die seit Anfang dabei sind, vorstellte. „Wir wissen manchmal selbst nicht, welche tollen Unternehmen wir hier in unserer Region haben“, sagte er. „Die Besucher, die heute dabei sind, zeigen allein durch ihr Interesse schon, wie wichtig Technik eigentlich ist. Oft gilt sie schon als selbstverständlich, aber wir brauchen Ingenieure, um gemeinsam Lösungen zu finden und umzusetzen. Denn die Erde braucht heute andere Antworten.“ Der VDI führe Experten immer wieder zusammen – Techniker untereinander und mit allen anderen Teilen der Gesellschaft. „Es gibt viel zu tun“, appellierte er. „Der Ingenieursberuf ist zukunftsträchtig und krisensicher. Nachwuchs wird händeringend gesucht.“

 

Ohne Logistik keine Versorgung mit Waren

Frank Winheller, Vorsitzender des VDE Köln, schilderte die Rolle der Nacht der Technik für die berufliche Orientierung aus eigener Erfahrung: „Meinen Sohn habe ich in seiner Berufswahl nicht beeinflusst, und doch hat er sich für einen technischen Beruf entschieden. Denn er war schon vor 10 Jahren bei der ersten Nacht der Technik dabei und ist so sensibilisiert worden.“ Er sei heute eine Art Markenbotschafter für die Technik und habe viele Gleichaltrige, die keine klare Vorstellung über ihre berufliche Zukunft hatten, für ein duales Studium gewonnen.“

Nachdem Wolfgang Birling, Vorstand der Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK) als Gastgeber begrüßt hatte, hielt Oliver Haas für die HGK einen kurzen Impulsvortrag, der die Geschichte der Stadt Köln als Verkehrs- und Logistikstandort würdigte. Der Hafen Niehl sei das größte deutsche Binnen-Containerterminal Deutschlands und zweitgrößter Binnenhafen. „Hier erfolgt die Versorgung der Stadt und der Versand der in Köln produzierten Güter. Wir öffnen uns gerne, um zu zeigen, was Logistik kann, auch wenn sie bei vielen nicht im Fokus ist, ja oft sogar stört.“ Allerdings nähmen fast alle Konsumgüter, die Kölner etwa im Internet bestellt würden, ihren Weg über den Niehler Containerhafen. "Wir wollen Verkehr von der Straße holen, bauen daher Güterverkehrs-Bahnstrecken und richten feste Pendelverbindungen ein, etwa nach Hamburg, Bremen, Valencia oder Mailand – das ist ein intelligentes Konzept, das die grüne Logistik zu einem Großteil umsetzt.“

 

Deutlich mehr Tickets für Familien, Schüler und Studenten

Auch die HGK war an der Nacht der Technik beteiligt und bot Hafenrundfahrten an. Zum Thema Verkehr konnten die Besucher außerdem die KVB-Werkstätten und den U-Bahnhof Heumarkt näher kennenlernen. Auf der Route der Industrie durch den Kölner Norden war auch die AVG mit ihrer hoch modernen Müllverbrennungsanlage ein beliebter Anlaufpunkt. Krankenhaustechnik zeigten insgesamt vier Krankenhäuser in Köln und Bergisch Gladbach. Bei Toyota durften Besucher Probefahrten mit Brennstoffzellenautos unternehmen. Die Besucher zeigten sich hochzufrieden mit der Organisation und der Attraktivität der Standorte.

Den Organisatoren vom VDI und VDE ist es damit wieder gelungen, besonderes Interesse bei der jüngeren Bevölkerung zu wecken: Es wurden deutlich mehr vergünstigte Tickets für Familien, Schüler und Studenten verkauft als 2017. Teils waren ganze Schulklassen mit gecharterten Bussen unterwegs.

Mit Hochdruck wird derzeit die nächste Nacht der Technik – erstmals in Bonn/Rhein-Sieg am 08.11.2019 – unter Führung der Projektleiterin Sabine Wahl-Braun vorbereitet.

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