Der Vorstand des VDI-Bezirks Köln. Folge 8: Dipl.-Ing. Kristin Lubosch

„Wer begeistert mitmacht, tritt nicht aus“

Seit März ist sie im Vorstand für Mitgliederfragen zuständig: Kristin Lubosch ist eines der neuen, jungen Gesichter, die im Bezirksverein Köln Verantwortung übernommen haben. Sie hat sich zur Aufgabe gemacht, diejenigen Ingenieure mehr für die Vereinsarbeit zu begeistern, die sich in der Rush-Hour des Lebens befinden. „Reinholen und aktivieren“ lautet ihr Motto. Sie selbst lebt vor, dass Engagement sich auch für junge Berufstätige auszahlt.

Am 27. März, auf der Mitgliederversammlung, stellte Kristin Lubosch sich als Nachfolgerin von Till Brinkmann vor, der mit seiner Familie in seine Heimatstadt Hagen zieht. Und ihre Vorstellung holte die Ingenieure mit einem anschaulichen Graphen ab: Die Mitgliederstruktur zeige zwei Berge in verschiedenen Altersgruppen, erklärte Lubosch. Der erste Berg bilde sich in der Altersgruppe der Studenten und Absolventen, der zweite im fortgeschrittenen Alter. Dazwischen liege noch großes Potenzial für die Gewinnung oder Wiedergewinnung von Mitgliedern. „Mit Antritt des ersten Jobs meinen viele Mitglieder, dass sie die ehrenamtlichen Aktivitäten zurückstellen müssten, denn sie sind beruflich sehr gefordert. Dabei profitieren gerade Berufstätige sehr von Ingenieursnetzwerken.“

Ihr selbst wurde das Ingenieursdasein nicht unbedingt in die Wiege gelegt: „Ich habe durchaus schon lange ein Grundinteresse an technischen Themen gehabt“, sagt sie, „aber wie bei vielen anderen jungen Menschen war es eher der unbestimmte und auch elterngetriebene Wunsch, ‚etwas Richtiges‘ zu studieren, der mich in die Ingenieurswissenschaften bewegt hat.“ An der TU Berlin studierte sie Lebensmitteltechnologie und begann bei einem Hamburger Unternehmen, das sich auf Reinigungsmittel spezialisiert hat. Nach Köln kam sie, weil sie dort die Gebietsbetreuung im technischen Vertrieb übernommen hatte.

Gemeinsame Projekte machen Spaß und verbinden

„Wir sind schwerpunktmäßig in der Lebensmittelverarbeitung tätig“, so Lubosch. „Ich kümmere mich um den Regelservice und erarbeite gemeinsam mit unseren Kunden Lösungen für technische Anlagen, vor allem in der Milchverarbeitung, wo die Hygienestandards sehr hoch sind.“ Auch zum VDI kam sie über ihren Beruf: „Ein Kunde von mir sprach mich an, weil er selbst im VDI Mitglied war, und fragte mich, ob der interdisziplinäre Austausch für eine Einzelkämpferin wie mich nicht eine tolle Sache wäre.“ Damit traf er einen Nerv: „Ich bin in einem kleinen Team unterwegs – und das in einer eher kleinen Branche. Aber ich interessiere mich für eine Menge Fachthemen und war sehr angetan von den Ideen, die man im Dialog zwischen Ingenieuren entwickeln kann.“

Obwohl sie noch nicht lange Mitglied war, gestaltete sich der Weg zur Vorstandsarbeit recht direkt. „Ich bekam letztes Jahr eine E-Mail vom Bezirksverein, der noch Mitstreiter suchte, um den Jahresempfang vorzubereiten. Die Idee, das Tec.Meet.Ing zu einem großen Get-Together für Ingenieure und Nicht-Ingenieure zu machen, fand ich attraktiv, also habe ich mich gemeldet. Ich war noch relativ neu in der Region und wollte interessante Kontakte aufbauen und Menschen kennenlernen. Und dann sprach mich Horst Behr an, ob ich nicht im Vorstand mitmachen wollte.“ Sie sagte zu.

Die Technologisierung der Berufe geht alle an

Ein wichtiges Anliegen ist ihr, das Image des Ingenieurberufs zu verbessern. „Man glaubt nicht, welche Vorurteile sich unter jungen, gebildeten Menschen trotz allem immer noch halten“, berichtet sie, „beispielsweise glauben viele, dass man nicht gut verdient – dabei sind die Gehälter sehr attraktiv!“ Überhaupt gelte das Ingenieurswesen oft als unsexy: „Wir haben keine Vorbilder, die man schnell aufrufen kann. Jeder kennt die Storys aus dem Silicon Valley, die phantastischen Gründungsgeschichten rund um Leute wie Jeff Bezos oder Steve Jobs – wir Ingenieure entwickeln in dieser Beziehung zu wenig Strahlkraft. Vielleicht liegt es auch an unserer Vielgestaltigkeit. Es gibt so viele fachliche Ausrichtungen, dass mancher unser Berufsbild unübersichtlich findet. Umgekehrt fällt es Ingenieuren oft schwer zu vermitteln, was sie wirklich können.“

Dabei sei die Technologisierung fast aller Lebensbereiche längst im vollen Gange. „Niemand kommt heute mehr wirklich voran, wenn er nicht bereit ist, sich mit Technik zu beschäftigen“, so Lubosch. „Gerade Berufstätige können enorm von unserem Wissen profitieren – hier im VDI sind ja sämtliche Informationsquellen vorhanden!“ Daher sieht sie die Kommunikation als eine wichtige Kompetenz im Vorstand an. „Wir sollten im Hinblick auf Jüngere einfach mal neue Geschichten erzählen“, sagt sie, „das heißt: neue Medien konsequent nutzen, mehr erklären, kompakt und attraktiv kommunizieren. Und vor allem nicht nachlassen, wenn wir Menschen einmal für uns gewonnen haben. Denn das Mitgliedertal bei den Dreißigern und Vierzigern kommt ja durch Austritte zustande. Wer aber begeistert mitmacht, der tritt so schnell nicht aus.“

Zurück