Der Vorstand des VDI-Bezirks Köln. Folge 9: Dr. Joachim Horst

„Wir sehen Sinn in unserem Tun“

Die Nacht der Technik hat sich im Kölner Raum zu einer festen Institution entwickelt – und Dr. Joachim Horst ist im Vorstand für diesen Bereich verantwortlich. Als Nachfolger von René Reissig geht er die große Aufgabe mit Elan an – schließlich ist er selbst über einen Aufruf zum Mitmachen an das Thema gekommen. Er möchte das Format, das sich dieses Jahr um zwei Veranstaltungen erweitert hat, erfolgreich fortführen und setzt dabei auf die Faszination, die sich entfaltet, wenn Menschen Dinge aus eigenem Antrieb tun.

Der Ingenieur erwachte in ihm, als er mit 16 Jahren die Verschraubung am Kickstarter seines Mopeds abriss. „Entweder bin ich zu kräftig, oder das Teil ist zu schwach“, so sein Gedanke – und: „Das muss man besser machen können.“ In der Folge begann eine lange berufliche Laufbahn als Techniker, die er auch mit seiner kürzlich erfolgten Pensionierung noch nicht am Ende sieht. Als Generalist sehe er sich immer noch umgeben von einer Welt von Dingen, die irgendwie hergestellt werden, und das wecke immer wieder Neugier.

Von Beginn an mit Innovationen beschäftigt

Und Generalist wollte er sein Technikerleben lang auch sein. Den Berufseinstieg machte er im Bauingenieurwesen, wo er im Stahlbau tätig war und auch Schweißfachingenieur wurde, dann zog es ihn zum Promovieren zurück an die Universität im Bereich Konstruktionstechnik. Seinen Doktor machte er zum Thema Getriebetechnik – und beschäftigte sich intensiv mit Automobilgetrieben.

Schließlich zog es ihn aber in die Autozulieferer-Industrie. Dort war er von Beginn an mit Innovationen beschäftigt. Ein Joint Venture zwischen ZF und Uni Cardan – heute würde man es Start-Up nennen – entwickelte die so genannte Visco-Kupplung, woraufhin Horst am Aufbau eines weltweiten Geschäftes für GKN Automotive beteiligt war, das ihn durch Europa, Amerika und bis nach Japan führte.

Die Nacht der Technik Bonn/Rhein-Sieg: Heimspiel für den Wahl-Lohmarer

„Das hört sich nach viel internationalem Jet-Set an, aber andererseits wohne ich seit über 30 Jahren fest in und bei Lohmar, denn da war das Joint Venture damals angesiedelt“, so Horst, der eigentlich gebürtiger Kieler ist, „und auch meine späteren Tätigkeiten gingen immer von dort aus.“ Später verlegte sich sein Reiseschwerpunkt in den asiatisch-pazifischen Raum, bis er schließlich in Lohmar für 6 Jahre das Entwicklungszentrum der GKN Driveline leitete, in dem 450 Ingenieure zur Antriebstechnik forschen und entwickeln. „Wir haben die Elektronik und Software nach vorne gebracht, ohne die ein moderner Automobil-Antrieb heute nicht mehr vorstellbar ist.“

VDI-Mitglied ist er bereits seit 1986, dem Jahr seiner Promotion. „Mir hat damals mein Professor empfohlen beizutreten“, erinnert sich Horst, „das war einfach normal, aber zwischen Beruf und Familie blieb wenig Zeit für aktive Mitarbeit. Mit dem Eintritt in die Rente hatte ich das erste Mal im Leben etwas mehr Zeit. Und wenn man interessiert bleibt, fliegen einem die Betätigungsmöglichkeiten nur so zu.“

So kam es, dass er dem Aufruf des Vorstands zur Mitarbeit beim Tec.Meet.Ing folgte und dort im Programmausschuss aktiv wurde. „Und als ich gerade so schön in Routine war, bat man mich auch um Mitarbeit bei der Nacht der Technik Bonn/Rhein-Sieg. Gut, dachte ich, das mache ich auch noch.“

Engagement ist etwas anderes als Erwerbsarbeit

Die Nacht der Technik entwickelte sich schnell zu einem Projekt, das seine ganze Leidenschaft weckte. So kam er dann auch zu seiner nächsten Verpflichtung: „Irgendwann sprach mich der Kollege Behr an, dass ein neuer Vorstand für das Thema gesucht wird. Es gab ein Übergabetreffen und schon war ich kommissarisch im Amt!“

Die Nacht der Technik möchte er weiterführen und gerade die neueren Orte dabei nachhaltig unterstützen. „Dass die Region Rhein-Wupper schon nächstes Jahr wieder eine Nacht der Technik machen möchte, ist da natürlich ein tolles Signal“, so Horst. „Und Ende des Jahres werden wir den Menschen dann zeigen, was Bonn und Rhein-Sieg so alles auf die Beine stellen.“ Für die Zukunft ist er optimistisch: „Die Nacht der Technik lebt vom Engagement – hier arbeiten wir unter Menschen, die nicht verpflichtet sind, das zu tun. Wir handeln, weil und solange wir Sinn in unserem Tun sehen. Das ist ganz anders als Erwerbsarbeit – und sehr wohltuend. Dass solche Motivation Erfolg erzeugt, kann man ja an den Kennzahlen ablesen.“

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