Die Produktion findet in die Stadt zurück – sauber, grün, kompakt

Köln, 15.03.2018. Im wachsenden Köln werden Flächen knapp, die Straßen sind überlastet und die Bewohner sehnen sich nach mehr Lebensqualität. Die IHK Köln und der VDI-Bezirk Köln brachten Fabrikplaner, Stadtverwaltung, Wissenschaft und Unternehmer zusammen, um das Wohnen und Arbeiten in Metropolen zu diskutieren. Einig waren sich die Teilnehmer der gut besuchten Veranstaltung darin, dass die Zukunft dabei in sauberer, platzsparender und forschungsintensiver Produktion liege – aber auch in intelligenter Mobilität und stetigem Bürgerdialog.

„Technologische Innovationen und digitalisierte Prozesse ermöglichen es, Industrie und Wohnen miteinander in Einklang zu bringen“, sagte Dr. Ulrich S. Soénius, stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik der IHK Köln. "Womöglich müssen Verwaltungen und auch der Gesetzgeber hier umdenken und der gesellschaftlichen wie technologischen Entwicklung folgen.“ Die neue Baugebietskategorie „Urbanes Gebiet“ erlaube innerstädtische Bereiche, in denen Wohnungen und nicht wesentlich störende Gewerbebetriebe eng beieinanderliegen, so dass kurze Wege entstünden.

Die Nachbarschaft zu Menschen gestalten

In seinem Impulsvortrag stellte Dr. Martin Schönheit, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Schönheit+Partner und im Kölner VDI Sprecher für den Bereich Produktion und Logistik, die Erfolgskriterien innerstädtischer Produktion von morgen dar. Maßstab sei der Mensch, der nach grünem Leben und Arbeiten trachte, nach Mobilität und Kreativität. Die Produktionswerke von heute seien bereits sauberer als ihre Umgebung, Industriegebäude könnten emissionsarm und dezentral mit Energie versorgt werden. „Mit Intelligenz und Investitionen optimieren Unternehmen zudem schon heute ihre Raumausnutzung – mitten in Köln“, so Schönheit. Reserven lägen auch in der vertikalen Raumnutzung. „Hier zu unterstützen ist ein entscheidender Faktor für die Standortsicherung. Die Menschen in der Stadt wünschen sich einen kurzen Weg zur Arbeit. Mit durchdachten und architektonisch ansprechenden Fabrikkonzepten kann das Unternehmen Vorteile im Wettbewerb der Talente für sich erschließen.“

Hans Gennen, Geschäftsführer der Tectrion (Currenta-Gruppe) im Chempark Leverkusen, schilderte das Nachbarschaftsverhältnis von Chemieindustrie und Wohnen in Zeiten von Produktionsverbund-Standorten. Nur im Dialog mit Stadt und einer oft kritischen Bevölkerung seien dringend notwendige Neubauten und Veränderungen im Bestand realisierbar. „Die Industrie muss die Initiative ergreifen“, forderte Gennen, „und neben Transparenz und Lösungsorientierung auch Verständnis für Emotionen mitbringen.“

Neue Quartiere und mehr Zusammenarbeit

Prof. Dr. Ralf Breede vom Institut für Produktion an der TH Köln sah in der Elektrifizierung des Verkehrs einen Treiber der urbanen Entwicklung und in der Verkleinerung der Produkt-Komponenten einen wichtigen Beitrag zur Platzeinsparung. Für ihn liegt die Lösung in einer Verkopplung: „Masse kann weiter draußen produziert werden. Kundenspezifische Fertigung mit intensivem Bedarf an persönlichem Austausch dagegen ist in der Stadt besser aufgehoben. Hierfür sehe ich in der nächsten Zeit realistische Möglichkeiten.“

Brigitte Scholz, Leiterin des Amtes für Stadtentwicklung und Statistik der Stadt Köln, betonte, dass die gemischte Stadt wieder politisches Ziel sei. Der Deutzer Hafen sei ein aktuelles Beispiel für ein urbanes Quartier, in dem emissionsarme Produktion sogar stapelbar sei. “Wir wollen Forschung und Entwicklung in die Stadt holen, aber auch Geringqualifizierten Chancen bieten“, so Scholz. Die Smart City mit Horizont 2030 sei in Planung. Sie werde kleinteiliger und ressourcenschonender sein als heute.

Horst Behr, Vorsitzender des VDI-Bezirksvereins Köln, betonte die Rolle der Ingenieure bei der Entwicklung von Lösungen. „Wegezeiten, Wohnsituation und Umweltzustand werden immer mehr Menschen unerträglich“, sagte Behr, „und wir haben ein Umsetzungsproblem.“ Dieses zu lösen erfordere enge Zusammenarbeit aller Beteiligten. „Wir haben in der Region alle Voraussetzungen dafür, nur wissen es viele nicht.“ Daher verstehe sich der VDI nicht nur als Denkfabrik für Lösungen, sondern auch als Dialogforum, der mit Formaten wie der „Nacht der Technik“ Begeisterung für Produktion und Technik in der Bevölkerung schaffe.

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