Häuser zum Selberbauen, internationales Projektmanagement und Stimmerkennung VDI zeichnet zum 36. Mal herausragende Abschlussarbeiten aus

Die Veranstaltung ist erstmalig als großes Netzwerktreffen von Ingenieuren und interessierten Besuchern durchgeführt worden und traf auf reges Interesse. 400 Gäste, knapp 20 ausstellende Unternehmen und Redner aus Wirtschaft und Politik beteiligten sich an der Premiere. Kölns Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes hob in ihrem Grußwort die Bedeutung des Ingenieurwesens für den Tech-Standort Köln hervor und bezeichnete die technischen Hochschulen als Talentschmiede für die Region.

Den ersten Platz erreichten Michael Lautwein und Max Salzberger von der TH Köln, die ein Eigenbausystem aus Holzplatten entwickelten, mit denen praktisch jeder sein eigenes Haus bauen kann. Die beiden Absolventen haben mit dem Atelier SLOW bereits ein Start-Up aus ihrer Entwicklung gemacht und bieten das Stecksystem online konfigurierbar an. „Viel mehr als einen Hammer und einen Akkuschrauber braucht man nicht, um sein Haus zu bauen“, stellt Lautwein die Idee vor. „Mit unserem Prototypen haben wir einen weltweit realisierbaren und komplett digitalisierten Entwurf für energieeffizientes Bauen entwickelt“, ergänzt Salzberger. Den ersten Platz, mit 2.000 Euro dotiert, stiftet Buderus-Bosch. Laudator Stefan Weber: „Die beiden verbindet eine Liebe zum Handwerk und eine Liebe zum Detail. Die sensationelle Master-Arbeit zeigt Perspektiven für Privatleute auf und erfüllt hohe Ansprüche im Zeitalter der Digitalisierung des Handwerks.“

 

Ingenieursforschung, direkt auf den Menschen bezogen

Der zweite Platz und 1.000 Euro, gestiftet von der Siemens AG, ging an Johannes Kremer von der RFH Köln. Seine Abschlussarbeit befasste sich mit internationalen Projekten zu Restrukturierung, Kommunikation und Unternehmensleitkultur. „Selbst die beste Software, die modernsten Methoden und die beste Planung sind hinfällig, wenn der Mensch in seinem kulturellen Umfeld nicht berücksichtigt wird“, so Kremers Fazit seiner Forschungen in einem international agierenden Konzern. Laudator Udo Broich lobte den hinterfragenden Ansatz in einem scheinbar bereits erforschten Gebiet. „Dies erfolgte in der besten Tradition des VDI“, so Broich.

Den von Werner Rechtsanwälte Informatiker mit 500 Euro bedachten dritten Platz erreichte Kevin Wilkinghoff von der Universität Bonn. Seine Forschungsaktivitäten zur Stimmerkennung senkten in bestehenden Anwendungen die Fehlerquoten von 5 auf 1,4 Prozent. Damit rückt die Erkennung von Sprechern anhand ihres „sprachlichen Fingerabdrucks“ immer näher. Laudator Julius Oberste-Dommes äußerte die Hoffnung, dass Deutschland mit solcher Forschung wieder Anschluss an die Weltspitze der KI-Entwicklung finde. „Mittlerweile liegt die Fehlerquote nur noch bei 0,5 Prozent und ich beziehe die Geräuscherkennung mit ein“, berichtete Wilkinghoff, der heute am Fraunhofer-Institut FKIE forscht.

Plädoyers für den Dialog zwischen Ingenieuren und Gesellschaft

Die Förderpreisvergabe wurde vom Jahresempfang des VDI-Bezirksvereins Köln umrahmt, auf dem Dr. Stefan Ulamec vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) die Teilnehmer auf eine Reise durch das Sonnensystem mitnahm. Die von ihm geleitete Rosetta-Mission brachte unter anderem den Nachweis, dass Kometen viel organisches Material enthalten und damit ursächlich für das Leben auf der Erde sein können. „Scheinbar abseitige Themen wie Weltraummissionen benötigen große Ingenieurskunst“, so Ulamec. „Vor allem aber faszinieren sie auch Nicht-Techniker und haben das Potenzial, viele junge Menschen für Wissenschaft und Technik zu begeistern.“

Der Dialog zwischen Ingenieuren und Gesellschaft lag auch den VDI-Vertretern am Herzen. „Die diesjährigen VDI-Themen Autonomes Fahren, Künstliche Intelligenz und Smart City gehen alle an“, betonte Thomas Terhorst von der VDI-Zentrale. Horst Behr, Vorsitzender des Kölner Bezirksvereins appellierte: „Wir Techniker können Lösungen für drängende Probleme entwickeln, aber die Gesellschaft muss sie auch wollen. Deshalb dürfen wir nie aufhören, miteinander zu reden!“ Die Kölner Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes betonte die Wichtigkeit, dass sich Politik zum Ingenieurwesen bekenne: „Die Ingenieursbranche ist wichtig für uns alle und sie ist in allen Bereichen unseres Lebens zuhause. Ohne Sie wäre der Alltag nicht vorstellbar“, wandte sie sich an die Ingenieurinnen und Ingenieure. An die Absolventen gerichtet, sagte sie: „Auf Ihre hervorragende Arbeit wird aufmerksam gemacht. Ich hoffe, dass der VDI sich weiter für Sie stark macht.“

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