VDI/ VDE Neujahrsempfang "Künstliche Intelligenz"

Künstliche Intelligenz stand im Mittelpunkt des Neujahrsempfangs von VDI und VDE am 18. Januar 2018 im Deutschen Museum Bonn. Einig waren sich die Experten aus Wissenschaft und Technik darin, dass mit der Verfügbarkeit enormer Datenmengen ein gewaltiger Fortschritt in allen Bereichen zu erwarten sei. Unfallfreies Fahren und Alzheimer-Früherkennung seien ebenso nahe Zukunft wie die Automatisierung von Routinetätigkeiten in Industrie und Haushalt.

Prof. Dr. Stephan Wimmers, Geschäftsführer der IHK Bonn-Rhein-Sieg, sagte gar die Übernahme des Expertentums durch Computer voraus. VDE-Bezirksvorsitzender Frank Winheller nannte Alexa und Chatbots als aktuelle Beispiele. VDI-Bezirksvorsitzender Horst Behr betonte, dass der Dialog zwischen Technik und Öffentlichkeit geeignet sei, die verbreitete Angst vor der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz abzubauen.

Prof. Dr. Armin Cremers von der Universität Bonn hob die Rolle des Wissenschaftsstandortes Bonn bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz hervor, vor allem im Bereich Autonomes Fahren. Die Fortschritte seien angesichts immer noch viel zu hoher Unfallzahlen ermutigend. Noch stehe breite Akzeptanz aus, aber Unfall- und Stauvermeidung, Spriteinsparungen und schnellere Prozesse summierten sich auf einen volkswirtschaftlichen Nutzen von über einer Billion Euro. Eigene Autos würden in Zukunft überflüssig und Frachtverkehr autonom.

Künstliche Intelligenz rettet Leben, erhält die Umwelt und belebt die Wirtschaft

Prof. Dr. Sven Behnke von der Universität Bonn berichtete von wissenschaftlichen Wettbewerben, bei denen Roboter gegeneinander Fußball spielen, bei Amazon Warensendungen konfektionieren oder das Fukushima-Rennen bestreiten: Dort geht es darum, in lebensfeindlicher Umgebung autonom Geländehindernisse zu überwinden und sogar Werkzeuge zu bedienen. Dabei lernen sie Analogien und passen ihre Fähigkeiten an neue Objekte selbst an. Roboter-Clouds könnten dies noch beschleunigen.

Kai Kreisköther von der RWTH Aachen nannte das Zusammenspiel von E-Mobilität, Autonomem Fahren und Konnektivität die Zukunftslösung. Automatisierte Shuttle-Systeme seien schon in geschützten Umgebungen aktiv und bauten dabei selbst Komplexität auf. Für gesellschaftliche Akzeptanz müsse die Künstliche Intelligenz sicherer fahren als der Mensch. Eine bessere Objekterkennung benötige riesige Datenmengen. Daher sammelten Plattformen wie Google bereits milliardenfach Trainingsdaten über bildgestützte Captchas.

Dr. med. Lukas Scheef vom Universitätsklinikum Bonn wies darauf hin, dass Big Data in der Medizin nicht realistisch sei, dafür seien Krankheitsbilder zu selten und individuell. Gleichwohl könne Künstliche Intelligenz bedeutende Hilfe bei der Routineauswertung von Hirnscans leisten. Das Erkennen kleiner Abweichungen und die Normalisierung über Lernalgorithmen machten Frühdiagnosen möglich. Im Demenzzentrum Bonn werden demnächst 30.000 Personen untersucht, hier sei Automatisierung unverzichtbar.

Perfekt intelligente Roboter müssten sich gegen die Menschheit wenden

In der abschließenden Diskussion kam zur Sprache, dass Künstliche Intelligenz ein Ziel sei, das letztlich nicht erreicht werden könne, weil jeder Erfolg das Erreichte entzaubere. Trotzdem schreite sie voran, auch weil sie sich direkt auf Erkenntnisse aus der Biologie stütze. Viel zu tun sei noch bei der Erforschung der menschlichen Intuition. Totale künstliche Intelligenz sei dagegen nicht erstrebenswert, so abschließend Dr. Scheef: „Perfekt intelligente Roboter würden aus ihrer Sicht den Menschen als Fehler im System werten. Sie müssten sich zwangsläufig gegen uns wenden.“

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